Zur Hauptnavigation . Zur Bildergalerie . Zum Seiteninhalt

Eine Logografik des Thüringer Verfassungsschutzes

Verfassungsschutz Thüringen

Dienstgebäude des Thüringer Verfassungsschutzes in Erfurt, Quelle: AfV

Verfassungsschutzpräsident Stephan J. Kramer

Stephan Kramer am Rednerpult

Islamismus und islamistischer Terrorismus

Symbolbild Islamismus

Personenpotenzial

Das von den deutschen Sicherheitsbehörden identifizierte islamistisch-terroristische Personenpotenzial beläuft sich derzeit auf rund 2030 Personen. (Stand: Juni 2021)

 

 

Eine weitere herausragende Bedrohung für die Innere Sicherheit Deutschlands ist der Islamismus, insbesondere in seiner gewaltbereiten terroristischen Ausprägung. Unter Islamismus versteht man eine - in sich heterogene – politisch ideologisierte Form des Islam. Diese Form des politischen Extremismus wird von einer Minderheit der Muslime getragen und ist damit deutlich von der Religion des Islam abzugrenzen. Islamisten fordern unter Berufung auf den ursprünglichen, vermeintlich unverfälschten Islam des 7. nachchristlichen Jahrhunderts die "Wiederherstellung" einer "islamischen Ordnung".  Diese ist nach ihrem Verständnis die einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform, die alle anders geprägten Systeme wie beispielsweise die parlamentarische Demokratie ersetzen soll und über diesen steht. In dieser "islamischen Ordnung" sollen alle Lebensbereiche genau so gestaltet sein, wie es von Gott durch den Koran und das Vorbild des Propheten, in der so genannten Sunna, verbindlich vorgegeben sei.


Militante Islamisten, oder auch Jihadisten genannt fühlen sich dazu berufen, diese "islamische Ordnung" mit Gewalt und durch terroristische Aktionen durchzusetzen. Sie beziehen sich dabei auf die vermeintlich im Koran enthaltene Aufforderung zum "Jihad" (eigentlich: Anstrengung, innerer Kampf, auch: "heiliger Krieg"), die sie - abweichend von der gültigen Rechtsauffassung im Islam - als heilige Pflicht zum unablässigen Krieg gegen alle "Feinde" des Islam sowohl in muslimischen als auch in nichtmuslimischen Ländern ansehen. Oft unter Zuhilfenahme eines diffusen, weit gefassten Feindbildes, welches sich meist lediglich auf „den Westen“, „die Juden“ oder ganz allgemein „die Ungläubigen“ begrenzt.


Alle islamistischen Ideologien streben an, einen islamischen Staat nach ihren Vorstellungen schaffen bzw. durchzusetzen. Islamisten lassen sich nach den Methoden und Mitteln unterscheiden, mit denen sie diese Ziele erreichen wollen. Zum Einen die dem gewalttätigen "Jihad" verpflichteten, weltweit terroristisch aktiven Gruppierungen, wie beispielsweise der „Islamische Staat“ (IS) und, zum Teil eingebunden oder assoziiert mit globalen Terrororganisationen wie "Al-Qaida". Zum Anderen gibt es islamistische Organisationen, die die Gesellschafts- und Herrschaftsverhältnisse in ihren Herkunftsländern indirekt verändern wollen. Deren Mitglieder versuchen, den Kampf in ihren Heimatländern von Deutschland aus logistisch und propagandistisch zu unterstützen. Sie bilden damit auch hier eine latente Gefahr für Einrichtungen und Interessen der Herkunftsstaaten.


Eine dritte Kategorie bilden Organisationen, die unter Ausnutzung der rechtsstaatlichen Instrumentarien (=legalistisch) islamistische Positionen auch im gesellschaftlichen Leben Deutschlands durchsetzen, mindestens aber Freiräume für organisierte islamistische Betätigung in Deutschland erlangen wollen und so - desintegrativ - zur Bildung einer islamistischen Binnengesellschaft beitragen.


Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Auseinandersetzung mit dem Islamismus auf sehr unterschiedliche Art und Weise zu führen ist. Es soll ausdrücklich betont werden, dass nicht der Islam als Religion Gegenstand der Beobachtungen der Verfassungsschutzbehörden ist; weder der persönliche Glaube der Muslime, noch ihre religiöse Praxis, die durch das in Art. 4 Grundgesetz verbriefte Grundrecht der Religionsfreiheit als Teil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung geschützt ist. Diese Religionsfreiheit für alle Bürgerinnen und Bürger zu erhalten und zu schützen, ist Teil des Auftrags der Verfassungsschutzbehörden.

 

Ein Schlüsselereignis in der Geschichte des islamistischen Terrorismus waren unbestritten die Anschläge vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten. Die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington D.C. rückten die Gefahr des globalen Jihadismus brutal ins Auge der Weltöffentlichkeit. Als Reaktion auf den zum heutigen Tag verlustreichsten Anschlag des islamistischen Terrorismus wurden umfangreiche Antiterrormaßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene initiiert. In den letzten Jahren kam es weltweit, auch in zahlreichen Ländern Europas und auch in der Bundesrepublik Deutschland zu weiteren terroristischen Anschlägen.

Deutschland steht weiterhin im Fokus des islamistischen Terrorismus. Auch zukünftig kann es jederzeit zu einem terroristischen Ereignis in Deutschland kommen.

Auch auf dem afrikanischen Kontinent ist der islamistische Terrorismus in einigen Ländern eine Bedrohung für die gesellschaftliche und politische Stabilität. Zu nennen sind vor allem die beiden Terrororganisationen Boko Haram in Nigeria, sowie die vor allem in Westafrika operierende al-Shabab-Miliz.

 

Symbolbild Telefon

Hinweistelefon des Thüringer Verfassungsschutzes

Als vertrauliches Kontaktangebot für die aufmerksame Öffentlichkeit hält das AfV ein Hinweistelefon im Bereich Islamismus/Islamistischer Terrorismus vor, über das verdächtig erscheinende Sachverhalte weitergeleitet werden können. Anliegen ist, die Aufmerksamkeit in der Bevölkerung zu erhöhen, sie zu sensibilisieren und damit gemeinsam für mehr Sicherheit zu sorgen.

Die Telefonnummer lautet: (0361) 573313-480

In diesem Zusammenhang bietet der Thüringer Verfassungsschutz interessierten Einrichtungen auch Informationsvorträge zum Islam, zum Islamismus und zum islamistischen Terrorismus an.

Symbolbild

Antworten auf Salafismus

Bayerisches Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung gegen Salafismus

Publikation: Der Islamische Staat (IS)

 

Neuauflage: 2021

Die Publikation gibt Aufschluss darüber, dass der IS zwar mittlerweile in seinem Kerngebiet in Syrien und im Irak vollständig militärisch verdrängt ist, allerdings im Untergrund weiterhin agiert. Darüber hinaus hat der Gebietsverlust des IS in Syrien und im Irak dazu geführt, dass Kämpfer und ihre Angehörigen diese Gegenden verlassen. Welche Gefahr von den Rückkehrern nach Deutschland ausgeht, muss jeweils im Einzelfall bewertet werden. Ein besonderes Sicherheitsrisiko stellen hierbei Personen dar, die während ihres Aufenthalts in Syrien und im Irak ideologisch indoktriniert, im Umgang mit Waffen und Sprengstoff militärisch geschult wurden oder Kampferfahrungen sammeln konnten.

Das Thüringer Innenministerium in den sozialen Netzwerken: